

Bauaufnahme in Kooperation mit dem Kunstamt im Bezirk Spandau von Berlin
denkmal aktiv - Projekt 2002/03
Fort Hahneberg wurde von 1882 bis 1888 als einzige Befestigung der geplanten Gürtelfestung Spandau zum Schutz der Reichshauptstadt Berlin errichtet. Es stellt somit eine der letzten „barocken“ Großanlagen im Fortifikationsbau dar, die vor Einsetzen der sogenannten „Brisanzmunitionskrise“ um 1884/85 als kombiniertes Artillerie- und Infanteriewerk in Deutschland erbaut wurden. Auf pentagonalem Grundriß errichtet und über mehrere Geschosse aufgezogen (Gräben / Kasematten / Wallanlagen) finden sich bis heute eine Vielzahl von Mauerwerksbauteilen in zum Teil ungewöhnlich guter Erhaltung.
Urwaldartiger Bewuchs läßt diese größte Bauruine Brandenburg-Berlins allerdings zu unseren gefährdetsten Kulturgütern zählen. Es ist deshalb erfreulich, dass sich die Knobelsdorff-Schule als Produktionsschule der dringendsten Bestandserhaltungsmaßnahmen auf Fort Hahneberg im Auftrage des Bezirksamtes Spandau annimmt.
Das Fort stellt einen erstklassigen didaktischen Rahmen für die praktische Ausbildung der Schüler dar und profitiert gleichsam von den Baumaßnahmen.
Die Kasematten (gewölbte Hohlbauten) im Zentrum des Festungswerkes sind zu den Innenhöfen geöffnet und von mehreren Metern dicken Wallanlagen bedeckt; da es sich um Magazinbauten handelt - u.a. zur Lagerung von Munition vorgesehen - gehört dieser Bereich zu den am besten geschützten Bauteilen Hahnebergs.
Die bauliche Vielfalt ist besonders groß, da jede Kasematte einer bestimmten Nutzung angemessen wurde, wudurch insbesondere die Ausführung verschiedener Bodenarten - einfache Steinböden, mehrlagige Holzböden - resultierte. Lebensmittellager, Werkstätten, Pulverlabore usw. waren hier zur Versorgung einer ca. 400-köpfigen Besatzung eingerichtet.
Der besondere Wert der Magazinkasematten liegt einerseits in ihrem guten Erhaltungszustand. Das Mauerwerk wirkt zumeist "wie neu aufgemauert", da die intakte Walldeckung, geringer Bewuchsdruck sowie und vor allem die Hinterlüftung der Wände (!) Wasserschäden praktisch ausschließen.
Andererseits finden sich einige der spektakulärsten Einzelbauteile Hahnebergs, u.a. die "Lange Treppe", der ovale "Kanonenaufzug" sowie besonders aufschlußreiche konstruktive Details wie die durch Abtragung freiliegenden Doppelbodenfragmente.
Die Magazinkasematten eignen sich somit vorzüglich zur raschen Nutzung - im Kontext der Innenhöfe als halboffene Räume u.a. für Gastronomie, Vorträge oder Spielstätten während kleiner und mittlerer Veranstaltungen privater Mieter und/oder des Hahneberger Vereines. Eine dauerhafte Nutzung dagegen durch individuell betriebene Werkstätten, Läden etc. bzw. die Aufteilung in Einzelgefache sollte ausgeschlossen werden, da 1. die individuelle Erschließung mangelt - gemeinsamer Zugang nur vom Innenhof möglich - und 2. der Präsentation des Gesamtensembles mit seinen Raumfluchten und Einzelwerten Vorrang gebührt.
Unserer ersten denkmal aktiv - Aufnahme mit Schülern des Kurses HaDeBau - zur Anschlußbatterie - folgend standen vor allem didaktische Zwecke im Vordergrund: Das Herantasten an die Methoden der Bauaufnahme und die Sensibilisierung von Auszubildenden für die Belange und das Berufsfeld der Denkmalpflege.
Eine kleine Baubeschreibung im Posterfomat mit dem Schwerpunkt der heterogenen Bodenfragmente resultierte am Rande und steht seit Anfang 2003 dem Kunstamt im Bezirk Spandau zur Verfügung.
Die Dokumentation unserer Arbeitsmethoden und -Ergebnisse wurde seit Herbst 2002 auf diversen Ausstellungen präsentiert und auf dem ersten denkmal aktiv -Erfahrungsaustauschtreffen in Wörlitz im Januar 2003 durch einen Schülervortrag begleitet.
Auszubildende | Ausbildungsberuf |
Fachlicher Partner
Kunstamt im Bezirk Spandau von Berlin