Bauaufnahme und Sanierungsvorplanung in Kooperation mit dem Kunstamt im Bezirk Spandau von Berlin
denkmal aktiv - Projekt 2003/04


Fort Hahneberg wurde von 1882 bis 1888 als einzige Befestigung der geplanten Gürtelfestung Spandau zum Schutz der Reichshauptstadt Berlin errichtet. Es stellt somit eine der letzten „barocken“ Großanlagen im Fortifikationsbau dar, die vor Einsetzen der sogenannten „Brisanzmunitionskrise“ um 1884/85 als kombiniertes Artillerie- und Infanteriewerk in Deutschland erbaut wurden. Auf pentagonalem Grundriß errichtet und über mehrere Geschosse aufgezogen (Gräben / Kasematten / Wallanlagen) finden sich bis heute eine Vielzahl von Mauerwerksbauteilen in zum Teil ungewöhnlich guter Erhaltung. Urwaldartiger Bewuchs lässt diese größte Bauruine Brandenburg-Berlins allerdings zu unseren gefährdetsten Kulturgütern zählen. Es ist deshalb erfreulich, daß sich die Knobelsdorff-Schule als Produktionsschule der dringendsten Bestandserhaltungsmaßnahmen auf Fort Hahneberg im Auftrage des Bezirksamtes Spandau annimmt. Das Fort stellt einen erstklassigen didaktischen Rahmen für die praktische Ausbildung der Schüler dar und profitiert gleichsam von den Baumaßnahmen. Die rechte Kasernenflanke weist aufgrund älterer Brand- (1945), Sprengungs- (1949) und chronischer Folgeschäden durch Bewuchsdruck und bis heute andauernde Durchfeuchtung heterogene Schadensbilder auf, die von unerheblichen Oberflächenschädigungen (Untergeschoss-Kasematten) über Total- und Teilabtragung (Nordflanke) bis zur akuten statischen Minderung (Obergeschosskasematten) reichen. Die Kasernenflanke zählt in der Schadenssumme zu den am stärksten geschädigten Bauteilen Hahnebergs, so dass die Forderung um dringende Bestandssicherungs- Maßnahmen resultiert. Der hier umgrenzte Sanierungsbereich umfaßt sechs Kasematten mit den Bezeichnungen U1 bis 3 (Kasematten unten) und O1 bis 3 (Kasematten oben), von innen zur Flanke hin strukturiert. Die vier nach links innen liegenden Kasematten sind in den Standardmaßen 11,01 mal 5,01 Meter ausgebildet, die beiden äußeren rechten Kasematten weisen eine verminderte Raumbreite von 3,01 Meter auf und dienten ausschließlich der Sanitärfunktion; deren Pendants auf der linken Flanke sind im erheblich besseren Zustand exemplarisch erhalten. Obere Kasematten (und rückwärtig anliegende Galerien) sind als Tonnen-, untere als Segmentgewölbe ausgebildet.
Die rechte Kasernenflanke von Fort Hahneberg ist akut sanierungsbedürftig und teilweise einsturzgefährdet. Eine Diskussion über dringende Bestandserhaltungs- bzw. Restaurierungsmaßnahmen ist zwischen den beteiligten Institutionen - u.a. das Kunstamt und das Grünflächenamt im Bezirk Spandau, der Hahneberger Tourismusverein sowie die Knobelsdorff-Schule - entbrannt, ohne daß bislang eine detaillierte Aufnahme der Schäden UND Bestandswerte vorgenommen wurde.
Ziel unserer Aufnahme war es, eine Schadenskartierung, - Analyse und eine Auflistung erhaltener Bestandswerte zu erstellen. Die Maßnahme dient sowohl der Sensibilisierung der Auszubildenden für die Belange der Baudenkmalpflege als auch der konkreten Hilfestellung zur Entscheidungsfindung für das weitere restauratorische Vorgehen an Fort Hahneberg.
Unsere Baubeschreibung wurde Anfang 2004 dem Kunstamt im Bezirk Spandau übergeben.
Den Schwerpunkt bildet der Bindungsplan - eine Richtlinie zur Frage "Abbruch oder (Teil)erhaltung" - der aus der Abwägung von uns aufgenommener Schäden und Werte resultiert.
Eine Dokumentation unserer Arbeitsmethoden und -Ergebnisse im Posterformat wurde seit Herbst 2003 auf diversen Ausstellungen präsentiert und auf der Leipziger Messe denkmal 2004 durch einen Schülervortrag begleitet.
Auszubildende | Ausbildungsberuf |
Fachlicher Partner
Kunstamt im Bezirk Spandau von Berlin