
Bauaufnahme unter besonderer Berücksichtigung gartendenkmalpflegerischer und kulturgeschichtlicher Aspekte in Kooperation mit der Stiftung Preussischer Schlösser und Gärten
denkmal aktiv - Projekt 2005/06
Die Crystall- und Muschelgrotte im Neuen Garten, Potsdam, wurde zwischen 1791 und 1794 auf Befehl Friedrich Wilhelm II. errichtet. Diente sie in ihrer schönen Seelage auch als Laube für sommerliche Abendvergnügen, besteht ihre tiefere Bestimmung doch als Stationskapelle eines rituellen Parkweges des Rosenkreuzer-Ordens (der König war Ordensmitglied), dessen bekannteste Verbaulichung der als Pyramide getarnte Eiskeller in Parkmitte ist.
Lage, Kubatur und Wandfassungen nehmen subtilen Bezug auf rosenkreuzerische Rituale; so wurde die Grottenform überhaupt als Metapher für die Unterwelt und das Wesen der Vergänglichkeit gewählt.
Das Äussere sollte den Eindruck eines urtümlich wilden, gewachsenen Naturprodukts vermitteln, einbezogen in die Umgebung. Im Gegensatz zum "natürlichen" Aussenbau aus Raseneisenerz, Kalktuff, Gipsstein und Schlacke stand die aufwendige, detailfreudige und farbige Innendekoration. Für die Grottierung der durch Spiegel, Nischen und Fenstertüren gegliederten Wände kamen neben farbig unterlegtem Marienglas, grünem Serpentinit oder Glasfluss auch Muscheln zur Anwendung.
Die kristallinen Innenraumfassungen weisen aktuell einen äußerst heterogenen Zustand zwischen komplettem Erhalt (höhere Wandbereiche) und weitgehender Erntfernung (untere Wandhälften) auf, wobei eindringende Bodenfeuchte überall bedrohlich wirkt. Die Deckenspiegel - insbesondere im Mittelkabinett - sind durch Sickerwasser akut bedroht und teilweise einsturzgefährdet.
Der Denkmalwert der Muschelgrotte dürfte sich neben ihrer kultur- und kunstgeschichtlichen Bedeutung auch daraus herleiten, daß sie als eine der letzten eigenständigen Grottenarchitekturen gilt.
Nach dem Tode des Königs geriet die Grotte und ihre subtilen Aussagen schnell in Vergessenheit, so dass ein rascher Verfall resultierte; seit den 30er Jahren wurde das Objekt nicht mehr dokumentiert, um dann seit 1961 fast 30 Jahre lang im Mauerstreifen zu verwahrlosen, ein typisches Schicksal, das viele in diesem Bereich zwischen Berlin (West) und Brandenburg liegende Denkmäler, wie z.B. Fort Hahneberg, teilen.
Eine umfassende Bestandsaufnahme- und Dokumentation mit Schadenskartierung zur Vorbereitung dringend nötiger Instandsetzungen ist deshalb längst überfällig.
Dabei stehen für uns diesmal weniger die Gesamtkubatur - die Erfassung der Grundrisse, Schnitte und Ansichten - im Vordergrund, als vielmehr das Gebäude in seinem landschaftlichen und historischen Gesamtkontext unter besonderer Berücksichtung der ideellen Hintergründe; eine Nachzeichnung des ursprünglichen rosenkreuzerischen Ritualweges scheint besonders interessant, wobei neben Geländebegehungen umfangreiche Quellenrecherchen notwendig sind.
Die eigentlichen Aufmaßtätigkeiten beziehen sich auf die Innenraumfassungen, wobei die Schmuckfelder in verschiedenen Maßstäben bis 1:1 aufgenommen werden sollen und eine Schadenskartierung – unter Zuziehung von Experten aus dem geologischen Bereich – erfolgt.
Erste Sondierungen mit dem Profilkurs HaDeBau haben wir im Sommer 2005 vorgenommen. Dabei stand wie immer
die Sensibilisierung der Auszubildenden für die Belange der Denkmalpflege durch ein spielerisches Herantasten an verschiedene Bauaufmaßechniken im Vordergrund - wobei bereits am ersten Aufnahmetag überraschend
einfühlsame Aufmaßzeichnungen resultierten.
Auszubildende | Ausbildungsberuf |
Fachlicher Partner
Stiftung Preussischer Schlösser und Gärten
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