Bestandsanalyse und Bindungsplan

Aspekte der Denkmalrelevanz

  • Der Zerfallszustand der rechten Kasernenflanke  weist in seiner Gesamtheit erhebliche visuelle Qualitäten (Bildwerte) auf, die für eine zukünftige Nutzung Hahnebergs (Schwerpunkt Tourismus) zu berücksichtigen sind.
  • Auch bietet sich die Möglichkeit eines „Denkmalpflege-Labors“ mit reguliert „natürlichem“ Zerfall an dieser Stelle an.
  • Die vor allem in Kasematte O2 offenliegenden Hinterlüftungssysteme sind als besonders bewahrungswert einzustufen. Hier finden sich hervorragende Einblicke in die Haustechnik Hahnebergs, das vor allem eine technische Denkmalrelevanz (Stichwort: bauphysikalischer Erhaltungszustand) besitzt.

Fazit Denkmalwert:
Dringende Sanierungsmaßnahmen (z.B. horizontale Mauerdeckungen) zum Erhalt des Status Quo sollten Vorrang vor jeglichen Abbruch- bzw. Rekonstruktionstätigkeiten haben.

  • Erhebliche statische Minderungen in den Bereichen O2 und O3 rechtfertigen eine (Teil)abbruch.
  • Zur Erleichterung etwaiger Ergänzungen von Gewölbekappen (Schaffung neuer Widerlager) kann ein (Teil)abbruch von U3 gerechtfertigt sein.
  • Durch das Vorhandensein von Sollbruchfugen zwischen allen Einzelgewölben - ein typisches Baudetail im Fortifikationsbau - wird das Argument  eines möglichen „Domino-Effektes“ im potenziellen Einsturzfalle der Gewölbeflanke entkräftet. Eine präventive Abbruchmaßnahme scheint deshalb nicht gerechtfertigt.

Fazit Bautechnik:
Sollte die Rekonstruktion der rechten Kasernenflanke - z.B. zwecks späterer Nutzung - entschieden werden, sind Teilabbrüche unumgänglich.
Fraglich bleibt an dieser Stelle vorrangig, ob überhaupt rekonstruiert werden sollte (siehe Denkmalwert).

Die rechte Kasernenflanke bietet sich als Bauobjekt für die Berufsfachschule für Bauhandwerker ideal an, wobei insbesondere die Rekonstruktion der Gewölbe verlockt. Etwaige Abbruch- und Rekonstruktionsmaßnahmen können aber nur unter Berücksichtigung erstgenannter denkmalpflegerischer Aspekte und technischer Notwendigkeiten legitimiert werden.
Es ist außerdem auszuschließen, daß nicht andere Bauteile Hahnebergs akuter bestandserhaltender Sanierungsmaßnahmen bedürfen, die vor etwaigen „kosmetischen“ Behandlungen der Flanke Vorrang haben sollten.
Fazit didaktische Maßnahmen:
Der weitgehend abgetragene Bereich der Kasematten U3 und O3 würde für Abbruch- und Rekonstruktionsmaßnahmen zwingend nach Beschluß einer  (Teil)abtragung der nach innen angrenzenden Kasematte O2 zur Verfügung stehen.
Der umgehenden (Teil)rekonstruktion des „hohlen Zahnes“ von Kasematte O3 steht grundsätzlich nichts entgegen.

Bindungsplan
Bindungsplan

Bindungsplan

Unser Vorschlag beruht auf einem Ausgleich zwischen den unter Punkt 1 genannten Kriterien:

Bereich I (Kasematten U1, U2, O1):  VOLLER ERHALT

Begründung:
Von lokal begrenzten Ausbrüchen abgesehen rechtfertigt der gute statische Zustand eine Abbruchmaßnahme nicht. Der Schadenschwerpunkt liegt auf unerheblichen bis mittelschweren Oberflächenschäden. Einzelne Oberflächen müssen reguliert, lokal begrenzte Ausbrüche fixiert bzw. ausgefüllt werden. Die Außenfassade von O2 kann später ergänzt werden.
Ein dauerhafter horizontaler Feuchteschutz im Bereich des Kasernendaches ist vorher oder begleitend zu gewährleisten (Teilmaßnahmen wurden im Sommer 2003 bereits durchgeführt).

Bereich II (Kasematten U3/O2): TEILABBRUCH und Rekonstruktion (Maßnahmen zur Diskussion)

Begründung:
Beide Kasematten sind bis zur statischen Minderung geschädigt, erfordern aber aufgrund ihrer unterschiedlichen Schäden spezifische Maßnahmen:
1) Kasematte U3:
Das Wandmauerwerk weist statisch unerhebliche Schäden auf. Ein (Teil)abbruch ist nur zur Ausbildung neuer Widerlager für eine etwaige Rekonstruktion der Gewölbekappe gerechtfertigt, wenn aus der Verwendung der bestehenden Widerlager unzumutbare technische Probleme resultieren sollten.
Die Außenfassade von U3 kann später ergänzt werden.
2) Kasematte O2:
Ist eines der kritischsten Bauteile Hahnebergs aufgrund seiner massiven Mauerwerksschäden mit erheblicher statischer Minderung und seiner ungünstigen Lage zwischen den nicht/kaum einsturzgefährdeten Kasematten O1 und O3.
Aus statischen Gründen ist ein Abbruch - allerdings nur unter Einbeziehung der Fragmente von O3 - zu favorisieren.
Dem Abbruch entgegen steht der Erhalt der visuellen Qualität:
Nur hier finden sich hervorragende Einblicke in die Hinterlüftung, welche Hahnebergs technische/bauphysikalische Denkmalrelevanz  besonders verdeutlichen.
Die Außenfassade von O2 kann später ergänzt werden.

Bereich III (Kasematte O3):  ABBRUCH FREI und Rekonstruktion

Begründung:
Aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes sowohl der Wand- als auch der Gewölbefragmente sowie des gering einzustufenden Denkmalwertes (vollständig erhaltene Pendants an der linke Kasernenflanke) kann einem Abbruch ohne weiteres stattgegeben werden, der im Kontext mit dem möglichen Abbruch von Gewölbe O2 überdies zwingend nötig würde.

Bereich IIIb (oberer/unterer Wallausgang): ABBRUCH FREI und Rekonstruktion        

Begründung:
Der (nach Abtragung der anstehenden Schutthalden voraussichtlich) sehr schlechte Erhaltungszustand und geringe Denkmalwert dieses Bauteils rechtfertigen einen Abbruch.
Die Rekonstruktion kann problemlos nach dem erhaltenen Pendant auf der linken Flanke erfolgen.

Mittwoch, 12. 12. 2018